Meerschweinchenhaltung – sollten die Fellknäuel frei in der Wohnung herumlaufen?
Meerschweinchen erfreuen sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,1 Millionen der possierlichen Nager auf ihren kleinen Beinchen in Deutschland herumtrippeln. Grundsätzlich ist die Meerschweinchenhaltung auch für „Haustier-Neulinge“ kein großes Problem. Aber natürlich müssen auch hierbei einige Besonderheiten bedacht werden, denn die kleinen Nager haben hohe Ansprüche. Was das Futter betrifft beispielsweise oder wie es mit dem Sozialverhalten von Meerschweinchen aussieht. Fragen stellen sich auch immer, wenn es darum geht, ob eine Käfighaltung von Meerschweinchen besser ist oder ein Freilauf draußen. Manche Tierfreunde lassen ihre kleinen Mitbewohner sogar völlig frei in der Wohnung herumlaufen. Aber ist das eigentlich gut? Wie hält man Meerschweinchen artgerecht? Wir geben die Antworten!
Meerschweinchenhaltung in der Wohnung
Eines vorweg: In der Regel ist es für die Besitzer wesentlich einfacher, Meerschweinchen in der Wohnung im Käfig zu halten, als die Nager frei herumlaufen zu lassen. Vorausgesetzt natürlich, der Käfig oder das abgetrennte Gehege entsprechen bestimmten Normen für die Meerschweinchenhaltung.
So sollte jedes der kleinen Fellknäuel etwa einen Quadratmeter Platz im Käfig oder im Gehege haben. Da man diese Rudeltiere auf keinen Fall alleine halten sollte, stoßen viele Wohnungen aufgrund des Platzbedarfes schon an ihre Grenzen.
Da Meerschweinchen weder klettern noch springen können, können sie problemlos in offenen Gehegen leben. Der Käfig oder das Gehege sollte so aufgestellt werden, dass die Tierchen keine Zugluft abbekommen. Zudem sollte der Standort ruhig und hell, aber keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Bei Hitze oder Kälte brauchen Meerschweinchen die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Idealerweise verfügt das Gehege oder der Käfig über zwei Etagen zum Erkunden sowie kleine Rampen, Versteckmöglichkeiten und Tunnel. Wichtig ist ein Rückzugsort, der aus einer umgedrehten Kiste mit zwei Eingängen bestehen kann. Das „Wohlfühlzimmer“ der quirligen Haustiere sollte natürlich immer gut mit frischer, staubarmer Einstreu ausgelegt sein.
Zum Aufstellen sind Orte geeignet, an denen ab und zu etwas „los ist“ wie zum Beispiel Arbeits- oder Wohnzimmer. Gar nicht gut sind Kinderzimmer oder Schlafzimmer. Denn Meerschweinchen sind nachtaktiv.
Und noch ein Tipp: Handelsübliche Gitterkäfige sind für diese Kleintiere meist zu klein. Schöne und artgerechte Innengehege aus Holz und Plexiglas eignen sich da schon wesentlich besser. Als Alternative bietet sich an, mehrere Käfige miteinander zu verbinden, sodass der Platzbedarf der Tiere gesichert ist.
Kann man Meerschweinchen auch ganz ohne Käfig halten?
Ja, auch die völlig freie Meerschweinchenhaltung in der Wohnung ist möglich. Zu bedenken sind dabei allerdings mögliche Probleme wie die Stubenreinheit oder die Sicherung von Kabeln, Giftpflanzen und Möbeln.
Die Nager sind nicht wirklich stubenrein
Meerschweinchen verteilen ihre Hinterlassenschaften bevorzugt in geschützten Unterschlüpfen. Weiche Unterlagen wie einen Teppich nutzen sie gerne, um ihren Urin darauf zu verteilen. Und dann stinken Meerschweinchen in der Wohnung beziehungsweise ihre Ausscheidungen riechen schnell recht streng.
Soll die Meerschweinchenhaltung in der Wohnung also ohne Käfig oder Gehege stattfinden, muss der Boden abwischbar und hart sein. Weiche, saugfähige Unterlagen unter den Unterschlüpfen sorgen dann dafür, dass die Tiere trotzdem ungestört ihr Geschäft erledigen können. Diese Unterlagen müssen selbstverständlich täglich gewechselt werden. Auch Kot oder Urin, der anderswo in der Wohnung abgesetzt wurde, muss nach Möglichkeit sofort gewischt beziehungsweise aufgekehrt werden.
Manchmal werden Meerschweinchen aber auch (fast) stubenrein! Und zwar dann, wenn sie eine bodentiefe Schale mit Einstreu vorfinden. Dann ist es möglich, dass die Nagetiere diesen Platz dauerhaft als Toilette bevorzugen.
Die Wohnung „Meerschweinchen-sicher“ machen
Meerschweinchen nagen so ziemlich alles an, was sie zwischen ihre scharfen Zähne bekommen können.
Das kann schnell lebensgefährlich werden!
Und zwar dann, wenn sie giftige Substanzen oder Pflanzen erwischen. Auch Stromkabel sind eine echte Todesfalle für die neugierigen Tierchen. Der Schutz für die wuseligen Hausgenossen steht deshalb an erster Stelle!
- Zimmerpflanzen wie zum Beispiel das Alpenveilchen, Einblatt, Ficus, Hyazinthen, Lilien, Narzissen, Osterglocken, Primeln, Tulpen oder Tomatengrün sind giftig für Meerschweinchen! Der Verzehr kann schlimme Folgen haben. Es drohen Herz-Kreislauf-Probleme und Verdauungsstörungen – und letztendlich sogar ein qualvoller Tod.
Solche ungenießbaren Pflanzen oder Teile davon müssen immer außerhalb der Reichweite der Tiere bleiben.
Gute Pflanzen: Grünlilie, Golliwoog oder Katzengras sowie die Gewürzkräuter Salbei, Oregano, Thymian, Petersilie, Basilikum und Majoran sind prima Pflanzen, die auch für Meerschweinchen ungefährlich sind. Allerdings sollten Halter bedenken, dass die Tierchen oft ganz verrückt danach sind. Im Handumdrehen sind die Pflanzen dann bis zu den Wurzeln runtergenagt. - Kabel von Lampen, Steckdosen oder auch Ladegeräte sind potenzielle Gefahrenquellen. Und selbst wenn sie keinen Strom führen – ein durchgenagtes Computerkabel sorgt zumindest beim Besitzer für Ärger.
Flexible Kabel, die sich absolut nicht außer Reichweite der Meerschweinchen unterbringen lassen, können mit einem speziellen Kabelschutzschlauch gesichert werden. Zur Not hilft auch schon ein Stück Gartenschlauch. Allerdings sollte man immer wieder mal nachschauen, ob sich nicht doch schon Beißspuren daran befinden.
Bewährt haben sich auch Kabelklemmen aus Plastik, mit denen Kabel in einiger Höhe an die Wand genagelt werden. Eine Kabelabdeckung oder ein Kabelkanal machen ebenfalls Sinn.
Besteht die Möglichkeit, lassen sich auch viele Kabel recht einfach hinter der Fußleiste verstecken. - Möbel werden von den flinken Rackern gerne mal angeknabbert. Vor allem Tisch- und Stuhlbeine aus Holz üben oft eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.
Hier hilft nur, alles, was nicht angenagt werden soll, aus dem unmittelbaren Lebensraum der Tiere zu entfernen. Alternativ – aber nicht wirklich schön – können Stuhlbeine oder auch nicht allzu dicke Tischbeine in Röhren aus stabilem Kunststoff „verpackt“ werden. Doch auch hier muss natürlich immer aufgepasst werden, dass die Meerschweinchen nicht gerade diesen Schutz zum Stutzen ihrer Zähne für sich entdecken.
Fazit zur Meerschweinchenhaltung in der Wohnung
Ob draußen im Freigehege oder drinnen in der Wohnung – Meerschweinchen lieben ihre Freiheit! Der Trend geht unter den Liebhabern der Nager klar zur freien Wohnungshaltung. Neben einem gesicherten Freigehege ist diese Haltungsform auch besonders tiergerecht und eignet sich hervorragend, um dem speziellen Bewegungs- und Erkundungsdrang der flinken Flitzer entgegenzukommen. An gewissen Hinterlassenschaften auf dem Boden, einigen Kratzern an Möbeln und Parkett sowie angenagten Tapeten darf man sich da jedoch nicht stören. Entschädigt wird man dafür mit einem engeren Kontakt zu seinen Tieren.
Wer darauf achtet, dass die Wohnung in puncto Pflanzen, Stromkabeln und einiger anderer Dinge gesichert ist, wird an dieser Form der Meerschweinchenhaltung sicher große Freude finden.